Beratungsstelle und Kindeswohl

Kaum ist Weihnachten vorbei, holt uns die harte Realität von Kindes vernachlässigung, -misshandlung oder gar -tötung wieder ein. Kaum ein Tag vergeht ohne eine solche Pressemeldung.
Einerseits wurden in NRW in den letzten 10 Jahren - nach Verlautbarungen des Familienministeriums – die Ausgaben für staatlich gewährte Hilfen zur Erziehung fast verdoppelt, und Forschungsergebnisse der Uni Münster besagen, dass 99% aller potentiellen Kindeswohl-Gefährdungen frühzeitig entdeckt werden.
Andererseits geht jeder Fall Kevin, Jessica oder Lea-Sophie unter die Haut und macht deutlich, dass politische Vorgaben und Finanzspritzen allein nicht ausreichen, um solche tragischen Kinder-Schicksale zu verhindern. In unserem reichen Deutschland leben viele Kinder in Armut, und sie bekommen nicht das, was sie für ein gesundes Aufwachsen brauchen . Manchmal reicht es – wie man sieht - nicht einmal zum nackten Überleben.
Für eine gesunde Entwicklung benötigt jeder (kleine) Mensch nicht nur die Befriedigung seiner körperlichen Grundbedürfnisse , sondern auch Zuwendung, Geborgenheit und eine sichere Bindung. Aber es gibt – vor allem in den ehemaligen Industrieregionen – seit Jahrzehnten eine Bevölkerungsschicht , die in chronischer Armut lebt mit geringen Chancen auf Bildung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Kinder, die in solchen Familien aufwachsen, haben von Anfang an schlechte Lebenschancen. Zusätzlich mangelt es ihnen oft an der nötigen emotionalen Zuwendung, weil ihre Eltern mit der Bewältigung all ihrer Probleme überfordert sind. Wenn diese - materiell und gefühlsmäßig - chronisch unterversorgten Kinder später selbst Eltern werden, haben sie keinen (Liebes-) Vorrat, aus dem sie ihre Kinder nähren könnten; vielmehr kämpfen sie immer noch darum, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. So werden tragische Schicksale von einer Generation zur nächsten weitergegeben.
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Die Evangelische Beratungsstelle Duisburg/Moers hält ein umfassendes Angebot bereit, um Gefährdungen des Kindeswohls möglichst zu verhindern. Da die beste Prävention gegen Kindesvernachlässigung eine stabile Mutter-Kind-Beziehung ist, nehmen wir uns im Rahmen der Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung der seelischen, aber auch der materiellen Nöte im Zusammenhang mit dem Ungeborenen an. Wir bieten eine Begleitung während der gesamten Schwangerschaft, damit sich eine gesunde und stabile Mutter-Kind-Beziehung entwickeln kann. Wenn die Mutter (vielleicht erstmalig) in der Beratung eine verlässliche und hilfreiche Beziehung erlebt, kommt diese auch dem Ungeborenen zugute. Die frühe Eltern- (bzw. Mutter- ) Säuglingsberatung kann halten und unterstützen , wenn Schreien, Schlafstörungen oder sonstige Schwierigkeiten mit dem Baby das Leben aus dem Gleichgewicht bringen. Unsere Erziehungsberatung hilft Familien in späteren Phasen der kindlichen Entwicklung (vom Einnässen im Kindergarten bis zur Schulverweigerung kurz vor der Volljährigkeit). Selbst in der Paar- und Eheberatung oder in der Lebensberatung, wenn wir nur mit erwachsenen Ratsuchenden arbeiten, können wir dazu beitragen, dass die nächste, heranwachsende Generation bessere Lebenschancen bekommt als ihre Eltern, wenn diese ein bisschen von dem nachholen und aufarbeiten können, was ihnen in ihrer eigenen Kindheit versagt geblieben ist.

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