Lebenschancen statt Armutsschicksale weitergeben - Jahresbericht 2007

Jahresbericht
Der Jahresbericht 2007 zum Lesen und Ausdrucken im PDF-Format.

Auf dem Tisch in dem orangegelb getünchten Beratungszimmer der Psychologin liegt ein dicker Stapel Papiertaschentücher. Auch die brauchen die Besucher manchmal. Doch es lohnt sich. Jedes benutzte Taschentuch bringt ein wenig mehr Klärung in die scheinbar verfahrene Situation und ein wenig mehr Chancen für die Zukunft: Es ist ein vielgenutztes Angebot. 459 Ratsuchende hat die Ev. Beratungsstelle Zweigstelle Moers im Jahr 2007 unterstützt. In der Einrichtung, die in der Evangelischen Kirchengemeinde Moers im Stadtteil Vinn ihren Sitz hat, hilft ein Team aus Psychologen und Pädagogen bei Schwierigkeiten in Ehe und Partnerschaft, in Familien- und Erziehungs- und Lebensfragen. „Die hohe Resonanz zeigt, dass unser Angebot von den Ratsuchenden gut angenommen wird“, sagt Ulrike Stender, die Leiterin der Beratungsstelle. Bisweilen übersteigt die Nachfrage sogar die Kapazitäten des sechsköpfigen Teams. Denn Fälle, die auf Grund akuter Krisen oder um das Kindeswohl sicher zu stellen ohne Wartezeit übernommen werden müssen, bilden eher die Regel als die Ausnahme.

Ursache für den gestiegenen Unterstützungsbedarf

Die Ursache für den gestiegenen Unterstützungsbedarf erleben die Berater in der Humboldtstraße bei der täglichen Arbeit. Ihre Beobachtungen haben sie im frisch gedruckten Jahresbericht festgehalten. Viele der Ratsuchenden aus Moers und den benachbarten Städten, die sich mit psychischen Problemen, Schwierigkeiten bei der Kindererziehung oder Problemen in der Partnerschaft an die Beratungsstelle wenden, sind von Hartz-IV-Abhängigkeit betroffen. Armutsproblematik, Überschuldung, Bildungsferne kombiniert mit Konflikten in der Familie, Trennungs- und Scheidungsproblemen, gesundheitlichen und psychischen Beeinträchtigungen oder Alkoholproblemen prägen den Alltag in den Familien. Doch die Berater haben noch mehr Besorgniserregendes beobachtet: Absorbiert von den Schwierigkeiten bei der Bewältigung des Alltags sind die Eltern nicht in der Lage, die Bedürfnisse der Kinder ausreichend wahrzunehmen. So werden statt Lebenschancen Armutsschicksale an die nächste Generation weitergegeben.

Wohl von Kindern

Genau das ist der Grund, warum die Beratungsstelle einen Schwerpunkt auf die frühzeitige Beratung legt. Der Jahresbericht bringt die Motivation: „In unserem reichen Deutschland leben viele Kinder in Armut, und sie bekommen nicht das, was sie für ein gesundes Aufwachsen brauchen. Zusätzlich mangelt es ihnen oft an der nötigen emotionalen Zuwendung, wenn ihre Eltern mit der Bewältigung all ihrer Probleme überfordert sind.“ An dieser Stelle setzen die Angebote in der Humboldtstraße an. Um zu verhindern, dass das Wohl von Kindern in Gefahr gerät, hat die Beratungsstelle verschiedene Maßnahmen im Programm, die eine stabile Mutter-Kind-Beziehung fördern und damit gegen Vernachlässigung schützen sollen. Zum Beispiel die „Schwangerenberatung“, die „frühe Eltern- bzw. Mutter-Säuglingsberatung“ und die „Erziehungsberatung“.

Gerne Früh-Beratungsangebote ausbauen

Auch für die Zukunft will die Beratungsstelle hier einen Schwerpunkt setzen: „Wir würden besonders die Früh-Beratungsangebote gerne ausbauen“, sagt die Chefin der Beratungsstelle. „Das hängt allerdings davon ab, ob es gelingt die Finanzierung zu sichern.“ Kirchliche Mittel, eine Landesförderung und ein Zuschuss des Kreises Wesel finanzieren derzeit das Angebot.

Für Ratsuchende ist die Evangelische Beratungsstelle Moers telefonisch zu erreichen unter der Nummer 02841 / 99 82 600.

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