Beratungsarbeit weiterhin stark nachgefragt Jahresbericht 2005 der Ev. Beratungsstelle im Kirchenkreis Moers.

[2006-12-28, update 2007-02-22] Das Fazit von Ulrike Stender, Leiterin der Evangelischen Beratungsstelle für Erziehungs-, Familen-, Ehe- und Lebensberatung und Schwangerschaftskonfliktberatung ist eindeutig: "Immer mehr Familien, Paare und Einzelpersonen wenden sich mit lang andauernden, gravierenden Schwierigkeiten in mehreren Lebensbereichen an uns." Ihre Erklärung ist vielschichtig: Familien müssen sich heute in hohem Maße nach den Anforderungen des Berufslebens organisieren. Die Arbeitswelt fordert räumliche Mobilität und zeitliche Flexibilität - häufig auf Kosten der sozialen Bindungen innerhalb und außerhalb der Familie. Infolge der hohen Arbeitslosigkeit verlieren zunehmend mehr Familien ihre wirtschaftliche Absicherung. Immer mehr Kinder und Jugendliche wachsen unter Armutsbedingungen auf. Jungen Menschen wird der Einstieg ins Berufsleben und der Aufbau einer eigenen Existenz extrem erschwert. Mit der immer noch steigenden Zahl von Trennungen und Scheidungen wächst die Zahl der neu zusammengesetzten Patchwork- oder Stieffamilien - mit all ihren Chancen, aber auch Belastungen. "Den Lebens- und Beziehungsalltag angesichts dieser schwierigen Rahmenbedingungen zu bewältigen, überfordert viele", fasst Stender zusammen und muss gleichzeitig feststellen: "Diesen gesellschaftlichen Entwicklungen und dem daraus folgenden erhöhten Beratungsbedarf steht eine Verknappung der Landesmittel sowie der kirchlichen Mittel gegenüber."

Menschen aller Alterstufen

Im vergangenen Jahr wurden in der Erziehungs- Familien- Ehe/Partnerschafts- und Lebensberatung 923 Beratungsfälle gezählt – Menschen aller Alterstufen, die als Eltern, Kinder, ganze Familien, Paare oder Einzelpersonen psychologische Beratung und therapeutische Hilfen erhielten. Die Beratungen schwanken zwischen einem und 30 Terminen, im Mittel sind es sechs. Zusätzlich wurden zwei präventiv orientierte Gruppenangebote mit Erfolg durchgeführt: Das Kommunikationstraining für Paare "Komm lass uns reden – wie Paare sich richtig gut verstehen " in Kooperation mit dem Ev. Forum Kirchenkreis Moers und das "Kölner Elterntraining" für Eltern, deren Kinder unter Aufmerksamkeitsstörungen und sozialen Verhaltensauffälligkeiten leiden. Die Ratsuchenden kommen aus den Kirchenkreisen Duisburg und Moers, d.h. aus dem gesamten Stadtgebiet Duisburg und dem linksrheinischen Teil des Kreises Wesel. Auch Menschen aus dem benachbarten Kirchenkreis Kleve bzw. dem Kreis Kleve können die Ev. Beratungsstelle in Moers in Anspruch nehmen.

Mit der Frau, nicht gegen sie

946 schwangere Frauen haben, teilweise in Begleitung von Partnern, Freundinnen oder Familienangehörigen Rat und Hilfe gesucht. 240 Frauen kamen zur Konfliktberatung und suchten Unterstützung bei der schwierigen Entscheidung, die Schwangerschaft abzubrechen oder das Kind zu bekommen. "Mit der Frau, nicht gegen sie, ist unsere Haltung, mit der wir Frauen in dieser existenziellen Lebenskrise begegnen. In ergebnisoffenen Gesprächen unterstützen wir die Frauen darin, eine lebbare Entscheidung für sich treffen zu können", beschreibt Stender dieses Arbeitsfeld. 706 Frauen bzw. Paare kamen zur Schwangerenberatung - insbesondere, um einen Antrag auf finanzielle Unterstützung aus der Bundesstiftung "Hilfe für Mutter und Kind" zu stellen oder sozialwirtschaftliche Beratung in Anspruch zu nehmen. "Besonders in den letzten zwei Jahren hat der Anteil der ratsuchenden Schwangeren, die nicht erwerbstätig sind, sondern von staatlicher Unterstützung - besonders von ALG II - leben müssen, stark zugenommen. Die wirtschaftliche Not der Familien wird zunehmend größer, so dass die Beratung bezüglich finanzieller Hilfen immer mehr Raum einnimmt", hält die Diplom-Psychologin fest.

Beteiligung am Aufbau von Familienzentren

Die Beratungsstelle beteiligt sich auch am Aufbau von Familienzentren, in Zusammenarbeit mit den zuständigen Fachreferaten der Kirchenkreise, den jeweiligen Erwachsenen- und Familienbildungseinrichtungen und den örtlichen Diakonischen Werken .

Erhebliche Anstrengungen

Das Kuratorium und die Mitarbeitenden haben in den letzten Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, die Beratungsstelle trotz gravierender Mittelreduzierung zukunftsfähig zu machen, nachdem in den Vorjahren eine Reduzierung des Trägeranteils um 20% und eine Kürzung der Landesförderung erfolgt war. Unvermeidbar war ein Personalabbau. Dieser konnte ohne Kündigungen vollzogen werden, allerdings wurden die ehemals vier Standorte der Beratungsstelle auf zwei reduziert. In beiden ist das integrierte Angebot der Erziehungs-, Familien-, Ehe-, Lebens- und Schwangerschaftskonfliktberatung aufrecht erhalten worden. In Moers erreichen Sie die Beratungsstelle in der Humboldtstraße 64, Telefon 02841 / 9982600, in Duisburg-Hamborn in der Duisburger Straße 172, Telefon 0203 / 990690.
[Pressereferat Kirchenkreis Moers]

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