Weiterhin hoher Beratungsbedarf in der Evangelischen Beratungsstelle
Gestiegene Beratungszahlen in der Schwangerenberatung

Anke Jäger (rechts) und Sekretärin Barbara Pawelletz in der Beratungsstelle
Anke Jäger (rechts) und Sekretärin Barbara Pawelletz in der Beratungsstelle (Foto: Ev. Kirchenkreis Duisburg, Merkelt-Rahm).

Im Sekretariat der evangelischen Beratungsstelle Duisburg/Moers in Hamborn steht das Telefon selten still. „Guten Tag, was kann ich für Sie tun?“ fragt die Sekretärin die Anruferin. Schnell wird klar, dass diese ihre Freundin zur Schwangerenberatung anmelden möchte und sich auch gleich bereit erklärt, beim Gespräch zu dolmetschen. Die Sekretärin erklärt, was die Klientin zum ersten Termin mitbringen soll, z. B. den Mutterpass. Sie winkt Anke Jäger, der Leiterin der Beratungsstelle kurz zu, da klingelt es schon wieder.
Anke Jäger verschiebt ihre Besprechung mit der Sekretärin für ein paar Minuten. Sie hat ihren ersten Jahresbericht als Leiterin der Beratungsstelle auf dem Tisch liegen. In 2016 haben sich insbesondere in der Schwangerenberatung - auch aufgrund der Flüchtlingssituation und der weiterhin hohen Anzahl von Menschen aus Südosteuropa in Duisburg - die Anträge auf finanzielle Hilfen für schwangere Frauen aus der Bundesstiftung „Mutter und Kind“ und dem landeskirchlichen Härtefond um 30 Prozent auf 868 erhöht. „Besonders für schwangere Frauen aus Flüchtlingsländern ist der Beratungsbedarf enorm hoch. Viele Frauen wissen überhaupt nicht, wie unser System funktioniert; hinzukommen Sprachbarrieren, die es oftmals erfordern, Dolmetscher hinzuzuziehen“ weiß Jäger.
Seit 1979 gibt es die „Psychologische Beratung in Erziehungs-, Familien-, Ehe/Partnerschafts- und Lebensfragen und Schwangerschaftskonfliktberatung“ in der stabilen Trägerschaft der beiden evangelischen Kirchenkreise Duisburg und Moers. Der lange Name kommt von der langen Liste von Problemen, mit denen es die Fachkräfte in den beiden Standorten der Beratungsstelle zu tun haben. Und immer öfter kommen die Probleme gehäuft. „Wir beobachten, dass die Problemlagen, mit denen die Ratsuchenden zu uns kommen, immer komplexer werden“, sagt Jäger.
So nehmen auch immer mehr Menschen nach Gewalterfahrung die Beratung in Anspruch, ebenso Familien, in denen der Verdacht des sexuellen Missbrauchs eines Kindes im Raum steht. Erkennbar ist, dass die Bereitschaft der Opfer gestiegen ist, sich Hilfe und Beratung zu holen. Ob insgesamt die Zahlen in diesem Bereich angestiegen sind, vermag Anke Jäger nicht zu beurteilen. „Wir sind zum Glück gut vernetzt mit anderen Fachstellen und nutzen die Möglichkeiten, uns durch regelmäßige Fortbildungen und Supervision auf dem neuesten Stand zu halten.“
„Bei uns sollen alle Menschen unabhängig von ihrer Religion, ihrer Nationalität, ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer finanziellen Möglichkeiten ergebnisoffene, kompetente, kostenfreie Beratung, Wertschätzung und Zuwendung erfahren. Gerade diese Offenheit des Angebotes repräsentiert für uns die evangelische Sicht auf die Dinge und ist sozusagen die Tatseite des Wortes. Diese Arbeit so in diesem Sinne für die Klienten zu gestalten, ist nur möglich, mit einem engagierten, hoch motivierten und auch flexiblen Team“, sagt die Beratungsstellenleiterin und ist froh, sich in beiden Standorten auf ihre Teams verlassen zu können.
Weitere Informationen zur Beratungsstelle gibt es im Internet unter www.ev-beratung.de und telefonisch unter 0203 990690 in Duisburg und 02841 9982600 in Moers.
Bild und Text: Sabine Merkelt-Rahm

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